Wie Vorurteile die Zusammenarbeit zwischen Lateinamerikanern und Deutschen beeinflussen

Aktualisiert: 22. Aug. 2019

Wie wir alle schon wissen, gibt es – wie über jedes Land - auch über Lateinamerika sehr viele Vorurteile. Pablo Escobar, der Drogenhandel und Serien wie Narcos machen dieses Thema nicht leichter. Darüber hinaus sind wir Lateinamerikaner bekannt dafür, dass wir das Leben eher entspannt nehmen und oftmals unpünktlich sind. Es gibt sogar Leute, die uns für unzuverlässig halten.



Als Kolumbianerin hatte ich unter anderem aus diesen Gründen in meinem ersten Job in Deutschland das Gefühl, dass ich mich besonders beweisen musste. Ich habe mich bisweilen - auch unbewusst - gegenüber meinen deutschen Kollegen „minderwertig“ gefühlt. Warum eigentlich? Heute weiß ich, dass dies so nicht richtig war: Dass ich aus einem Drittland komme heißt längst nicht, dass ich keine gute und professionelle Arbeitskraft bin. Hierüber werde ich in einem späteren Beitrag schreiben.


Heute hingegen möchte ich Ihnen einige Tipps geben, mit dem Sie als deutsche Führungskraft, einerseits Ihre „Überheblichkeit“ nicht ausüben oder nicht zeigen, und anderseits Ihren lateinamerikanischen Kollegen helfen, sich nicht „weniger“ zu fühlen: Geben Sie ihnen von Anfang an ein Problem zu lösen bzw. fragen Sie nach einer Lösung! Damit zeigen Sie Respekt und Vertrauen (Sie sind auf Augenhöhe) und Ihre Kollegen fühlen sich ermächtigt und werden Ihnen zeigen was „in Ihnen steckt“. Das Wichtigste ist, dass Sie den Lösungsvorschlägen zuhören und positiv und offen reagieren. Diese ist, meiner Meinung nach, Ihre Herausforderung.


Ich als Kolumbianerin hatte in meinem Job verschiedene Situationen, in denen wir in einem Projekt nicht vorankamen, weil der eine oder andere deutsche Kollege zu mir meinte: „Das geht nicht!“ ich fragte „Warum soll das nicht gehen?“ und bekam Antworten wie: „Das wurde noch nie so ausprobiert“ oder „Das dauert zu lange“ (ohne genau zu wissen ob es tatsächlich zu lange dauert). Dabei dachte ich mir immer „Es muss doch einen Weg geben“ und habe weiter nach Lösungen gesucht. Am Ende zeigte sich, dass mein Vorschlag doch machbar und das Problem damit lösbar war.


Was ich Ihnen mit diesem Beispiel sagen will ist, dass wir Lateinamerikaner sehr gut darin sind, nach Optionen und Lösungen zu suchen und über den Horizont hinauszudenken. Ich will damit nicht äußern, dass in Deutschland nicht kreativ gedacht wird, aber da bestehende Prozesse und Routinen hier oftmals sehr gut funktionieren brauchen wir hier nicht so oft nach kreativen Lösungen oder verschiedenen Wege und Alternativoptionen zu suchen. In Lateinamerika machen wir das jeden Tag: Wenn es etwas gibt was Lateinamerikaner gut können, ist trotz widriger Umstände doch einen Weg zu finden damit etwas klappt: sie geben nicht leicht auf!


Nutzen Sie das in der Arbeit, zu Hause oder mit Ihren Freunden. Wenn Sie nicht weiterkommen, fragen Sie doch einmal Ihren lateinamerikanischen Ansprechpartner. Sollte er oder sie Optionen oder Lösungen vorschlagen antworten Sie bitte nicht intuitiv mit einem: „Das geht nicht“ sondern überlegen Sie kurz „Was müsste dafür gemacht werden?“ und seien Sie offen für Neues.


Wollen Sie sich weiter mit mir darüber unterhalten?

Schreiben Sie mir unten einen Kommentar.


Ich freue mich auf Ihre Meinung.


Saludos

Ihre María Tejeiro

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