ALLGEMEINE ZEITUNG | VERÖFFENTLICHT AM 25.08.2004 | LOKALES BAD KREUZNACH

EIN GAST VOM ANDEREN ENDE DER WELT

KOLUMBIANERIN MARÍA LUCÍA TEJEIRO BEI MICHELIN

Sie kommt aus einem der schönsten, aber auch einem der gefährlichsten Länder der Erde: María Lucía Tejeiro, 18 Jahre alt und derzeit Praktikantin bei Michelin, ist Kolumbianerin. Ihre Heimat, das Land am nordwestlichen Ende Südamerikas, ist mehr als drei Mal so groß wie Deutschland.

Die 18-Jährige hat in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá die Deutsche Schule, das 1922 gegründete "Colegio Andino", besucht. Ihr Vater, ein Jurist, der auch an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz studiert hat, war ebenfalls "Andino"-Schüler und lehrt heute an der Universidad de los Andes in der  Hauptstadt. Verwandtschaftliche Bande nach

Deutschland bestehen zwar nicht, sagt María Lucía, aber schon der Großvater habe Wert darauf gelegt, dass sein Sohn die deutsche Schule besuche.

 

Auch ihr Bruder und ihre kleine Schwester seien Schüler am "Andino" gewesen, das am Stadtrand Bogotás liegt und in dem deutsche und kolumbianische Lehrer rund 1600 Schüler betreuen. Die Schüler werden allmorgendlich von einer eigenen Busflotte in die Schule gefahren. Obligatorisch ist die Schuluniform: dunkelblauer Pullover und weißes Hemd.

Aufgrund der Partnerschaft der Mainzer Uni mit jener in Bogotá und natürlich dem väterlichen Studium in Mainz verbrachte María Lucía schon einmal ein Jahr in Deutschland. Das war vor drei Jahren, und sie wohnte - wie auch dieses Mal - bei einer Gastfamilie in Mainz. Die gesamte zehnte Klasse absolvierte sie in Deutschland. Nach Abschluss der 12. Klasse half ihr ein deutscher Lehrer in Kolumbien bei der Suche nach einem Praktikum in Deutschland in der Nähe von Mainz und stieß auf Michelin.

"DIE LEUTE SIND SUPERNETT HIER."

Dort wiederum stieß María Lucía auf offene Ohren, denn Michelin betrachtet es als Bestandteil der Firmenphilosophie und Bereicherung des Unternehmens, möglichst viele fremde Einflüsse zu

nutzen. "Die Leute sind supernett hier", schwärmt die Kolumbianerin von ihren Kollegen, "ich hätte mir nie vorgestellt, dass alle so nett und hilfsbereit sind." Sogar zwei Kolleginnen fanden sich, mit denen sie, obwohl sie des Deutschen sehr gut mächtig ist, Spanisch plaudern könne. Beeindruckt ist sie von der Effektivität rund herum: "Es ist alles sehr gut organisiert, alles ist durchgeplant. Es ist unglaublich, wie die Produktion funktioniert."

Der Kontrast zwischen Deutschland und Kolumbien könnte für Tejeiro kaum größer sein. Man nehme nur die Küsten. Kolumbien wird im Norden von der Karibik und im Osten vom Pazifik angebrandet. Von Norden bis Süden erhebt sich die Andenkordillere, in der sich die Hauptstadt Bogotá auf 2600 Metern über dem Meeresspiegel befindet. Wenn die Familie Tejeiro dem gemäßigten Klima der 8-Millionen-Metropole entfliehen will, fährt sie zwei Stunden bergab und findet sich in der "tierra caliente" wieder, im "heißen Land", wo tropisches Klima herrscht und die Familie einen Ferienwohnsitz hat. Im Osten des Landes öffnen sich die weiten Ebenen der "llanos", und im Süden grenzt Kolumbien mit einem kleinen Zipfel und der Stadt Leticia an den Amazonas.

Karibik, Gold, Amazonas. Das alles klingt für einen europäischen Urlauber viel versprechend.

 

Kolumbien hat einfach alles: Die Karibik, die Anden mit dem 5775 Meter hohen Pico Cristóbal Colón, steinerne Reste alter indianischer Kulturen (Chibcha), Belege des unvorstellbaren Goldreichtums dieser Völker, die im Museo del Oro in Bogotá zur Schau gestellt werden, eine einzigartige Kathedrale aus Salz in Zipaquirá, Kaimane und Piranhas am Amazonas. Doch Touristen meiden das Land, und zwar aus gutem Grund.

Wenn man wisse, wie man sich verhalten muss und wo man gefahrlos hin kann, so María Lucía Tejeiro, kann das Leben in Kolumbien schön sein. Aber das deutsche Auswärtige Amt rät "dringend" von Reisen nach Kolumbien ab: "Es besteht landesweit eine ernstzunehmende Gefahr von Entführungen durch illegale, bewaffnete Gruppen und kriminelle Banden, die häufig für Lösegeld oder politische Forderungen auch Ausländer zum Teil jahrelang als Geiseln festhalten. Kolumbien ist weltweit das Land mit den meisten Entführungen." Diese Gefahr kennt auch María Lucía.

Kolumbien steht leider immer nur in den Schlagzeilen, wenn es um die weltweit agierenden Kokain-Drogenkartelle, um die Guerrilla oder um Naturkatastrophen geht - wie die Schlammlawine, die im Jahre 1985 durch die Aktivität des 5389 Meter hohen Vulkans Nevado del Ruíz entstand und das Dorf Armero unter sich begrub (23000 Tote). In Kolumbien leben allerdings 44 Millionen Menschen, und nur die wenigsten von ihnen sind aktiv in den Niedergang des an sich so reichen Landes involviert. Für sie gilt es, sich mit dem korrupten politischen System und den allgegenwärtigen Gefahren zu arrangieren.

 

VOR STUDIUM ZU MERCEDES

Nach Michelin wird María Lucía Tejeiro in Mainz noch ein Praktikum bei Mercedes machen, bevor

im Januar die Abreise nach Kolumbien bevorsteht. Dort wird sie Betriebswirtschaftslehre studieren. Und sie hat sich vorgenommen, Französisch zu lernen. Bei dem französischen Reifenhersteller ist sie da wohl an der richtigen Stelle.

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