Die Gründe warum Lateinamerikaner nicht "auf den Punkt" kommen

In meinem letzten Beitrag haben wir uns mit der polychronen und der monochronen Zeitorientierung der deutschen und der lateinamerikanischen Kultur auseinandergesetzt. Hier möchte ich Ihnen erklären wie dieses Konzept die Art und Weise beeinflusst mit der Menschen aus diesen Kulturen Entscheidungen treffen.

Wir, Lateinamerikaner legen sehr viel Wert auf zwischenmenschliche Beziehungen. Dies bedeutet, dass die Menschen in unserer Kultur sich Zeit nehmen, um grundsätzliches Vertrauen zu ihrem Gesprächspartner aufzubauen. Ganz selten trifft ein Lateinamerikaner eine Entscheidung, wenn er oder sie dem Anderen nicht vertraut. Diese Herangehensweise braucht Zeit und führt öfters zu langen Gesprächen, in denen meistens neben den geschäftlichen aber auch über privaten Themen gesprochen wird.


Demgegenüber ist es in der deutschen Kultur von großer Bedeutung, Zeit effizient zu nutzen. Deutsche treffen Entscheidungen in der Regel anhand von konkreten Fakten und weniger aufgrund der Beziehung zu den Geschäftspartnern. Dafür werden normalerweise keine langen Besprechungen gebraucht und es wird in der Regel keine Zeit investiert, um über private Themen wie die Familie zu sprechen.

Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass Sie als Deutsche/r in einem Geschäftsmeeting mit Lateinamerikanern das Gefühl haben, dass sie sich im Kreis drehen, weil diese hohen Redebedarf – auch abseits des Geschäftlichen – haben und nicht „auf den Punkt kommen“.

Sie haben die Option die Kollegen zu unterbrechen und sie zu bitten, präzise zu sein oder aber sie entscheiden sich lieber dafür, ihr Vertrauen zu gewinnen. Aber wie geht das?

Interessieren Sie sich für Ihre lateinamerikanische Kollegen und Geschäftspartner als Menschen: Im Gegensatz zu dem was in Deutschland üblich ist, fragen Sie nach der Familie oder nach Themen, die nicht mit dem Job zu tun haben. Haben Sie keine Angst um die Privatsphäre: Sport, Familie, Freizeit, so etwas kommt immer gut an.

Hören Sie zu (das sollten wir alle sowieso immer tun :)! Sobald das Gespräch sich im Kreis dreht, bedrängen Sie den Gesprächspartner nicht „endlich mal auf den Punkt zu kommen“ sondern versuchen Sie herauszufinden was dem Partner wichtig ist. So helfen Sie ihr oder ihm dabei, auf den Punkt zu kommen OHNE das explizit zu sagen.


Fragen Sie subtil z.B.


  • Wenn ich Sie richtig verstehe denken Sie, dass…?

  • Mir ist (z.B. Punkt XY) nicht klar geworden, könnten Sie nochmals Ihre Meinung zu dem Thema…äußern?

  • Kurz zurück zu dem Punkt davor…


Stellen Sie Fragen, die zum Ziel führen. Sie als Deutscher sind sehr gut hierin. Nutzen Sie das. Achten Sie jedoch auf den Ton und die Art wie Sie rüberkommen. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Ich meine damit, dass Sie auch mit einer freundlichen Art fordernd sein können.

Wir Lateinamerikaner mögen Leute, die uns zuhören und wir legen sehr viel Wert auf den ersten Eindruck und das Bauchgefühl. Wir sind aber auch sehr dankbar, wenn jemand uns höflich daran erinnert, fokussiert zu bleiben.

Glauben Sie mir, es lohnt sich, Ihre Zeit hier rein zu investieren. Wenn wir jemandem vertrauen, sind wir bereit die „Extra Mile“ zu gehen und wir werden alles Mögliche tun, um das gesetzte Ziel zu erreichen.

Ich hoffe diese Tipps helfen Ihnen ab jetzt bei der Zusammenarbeit mit Lateinamerikanern. In meinem nächsten Beitrag erzähle ich Ihnen die Gründen warum eine direkte Art in Lateinamerika nicht so gut ankommt.

Möchten Sie sich mit mir weiter hierüber unterhalten?

Lassen Sie mir unten Ihre Kommentare oder schreiben Sie mir gerne an maria@tejeirocoaching.com

Ich freue mich auf Ihre Meinung.

Saludos

Ihre María Tejeiro

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